Open-Educational-Resources
Was sind Open Educational Resources?
Was sind Open Educational Resources (OER)? Im Deutschen spricht man auch von freien Bildungsmaterialien, in der Regel wird aber der englische Begriff „Open Educa-tional Resources“ verwendet. OER sind kostenfreie Lernmaterialien, die im Internet verfügbar und für jeden verwendbar sind, da sie nicht unter dem klassischen Copy-right „alle Rechte vorbehalten“ stehen, sondern in der Regel unter einer freien Creati-ve-Commons-Lizenz lizenziert sind. Dazu müssen wir wissen, dass alle Materialien, die erstellt werden, unter das Urheberrecht fallen, sofern sie eine gewisse Schöpfungshöhe erreichen. Ein einfacher Satz z. B. in Form eines Tweets mit maximal 280 Zeichen er-reicht i. d. R. keine Schöpfungshöhe. Wir können für das weitere Vorgehen aber erst-mal festhalten, dass alles urheberrechtlich geschützt ist und das bedeutet, urheberrecht-lich geschützte Materialen dürfen wir nicht oder nur im geringen Umfang verwenden; außer es wird explizit erlaubt, die Materialien zu benutzen. Bei Open Educational Re-sources ist es genau umgekehrt: Diese Materialien dürfen unter bestimmten Bedingun-gen, diese schauen wir uns gleich an, benutzt werden ohne, dass die Urheber:innen ge-fragt werden müssen. Damit dies möglich ist, kommen die Creative-Commons-Lizenzen zum Einsatz.
Die Creative-Commons-Lizenzen
Die Creative Commons sind eine Non-Profit-Organisation, die Anfang der 2000er Jah-re damit begonnen hat, Lizenzverträge zu erstellen. Diese Verträge haben zwei Haupt-ziele: (i) sie sollen Urheber:innen schützen und (ii) Nutzungsbedingungen für urheber-rechtlich geschützte Werke aufzeigen. Im Laufe der Jahre wurden die Lizenzverträge mehrfach überarbeitet; aktuell sind wir in Version 4.0 und sie sind international gültig. Fast alle OER-Materialien sind mit Lizenzen der Creative Commons versehen. Ein Vorteil für Sie als Lehrer:in, sie müssen sich mit dem exakten Lizenztext nicht ausei-nandersetzen. In der schulischen Praxis müssen wir lediglich die Bedeutung und Be-dingungen der unterschiedlichen Lizenz verstehen. Dabei helfen uns die Lizenz-Icons, deren Bedeutung Sie der folgenden Abbildung entnehmen können.
Es gibt sechs bzw. sieben Creative-Commons-Lizenzen, wobei der Lizenz CC0 eine besondere Rolle zukommt. Dies ist die einzige Lizenz, bei der es keine Einschränkung und Bedingungen gibt. Die weiteren Creative Commons-Lizenzen setzen sich aus den vier verschieden Bestandteile BY, SA, NC und ND zusammen. Diese Bestandteile können zum Teil mit einander kombiniert werden, sodass sich sechs weitere CC-Lizenzen ergeben. Dabei fällt auf, dass BY ein obligatorischer Bestandteil der Lizen-zen ist. Mit Ausnahme der CC0-Lizenz müssen die Urheber:innen bei der Verwendung von OER-Materialien immer genannt werden. Wie Sie dies konkret umsetzten, schau-en wir uns später an. Wenn Sie diese sieben Lizenzen und deren Bestandteile verstan-den haben, dann haben Sie den Kern der Creative-Commons-Lizenz bereits erfasst. Bevor wir konkreter in die Praxis gehen können, schauen wir uns noch an, wie OER unabhängig von Lizenzen definiert wird.
UNESCO und 5V
Die UNESCO hat vor fast 20 Jahren den Begriff Open Educational Resources einge-führt Die Definition davon wurde immer wieder angepasst, wir nutzen die Version von 2015 : “Open Educational Resources (OERs) are any type of educational materials that are in the public domain or introduced with an open license. The nature of these open materi-als means that anyone can legally and freely copy, use, adapt and re-share them. OERs range from textbooks to curricula, syllabi, lecture notes, assignments, tests, projects, audio, video and animation.” Im Zentrum von OER stehen also jegliche Art von Bildungsmaterialien, die von jeder und jedem genutzt, kopiert, bearbeitet und wiederveröffentlich werden können. Eine Alternative Definition liefert der Pädagoge David Wiley mit den fünf Freiheitsgraden für offene Materialien, den sogenannten 5V (im englischen Original:5R). Dabei steht im Fokus, welche Eigenschaften Materialien haben müssen, um als offene Materialien angesehen werden zu können. Offene Materialen sind folglich Materialien, die ver-wahrt &vervielfältigt, verwendet, verarbeite, vermischen und verbreitet werden kön-nen. Dies hat nicht nur Konsequenzen für die Wahl der Lizenz, sondern auch für wei-tere Aspekte wie die Auffindbarkeit der Materialien, die Wahl des Dateiformats, die Beschaffenheit der Materialien für die Weiterverarbeitung oder mit anderen Wort: Of-fenheit von Materialien mündet bestenfalls in einer Kultur des Teilens.
OER-Lizenzen
Wenn wir die gerade gelesenen Definitionen noch einmal Revue passieren lassen, können wir uns die Frage stellen, ob tatsächlich jeder der kennengelernten Creative-Commons-Lizenzen eine geeignete Lizenz für Open Educational Resources ist. Ich würde ihnen empfehlen nur drei Lizenzen als „echte“ OER-Lizenzen zu sehen: CC0 CC BY und CC BY-SA, denn nur diese Lizenzen erfüllen sowohl die komplette UNESCO-Definition als auch die fünf Freiheitsgrade von David Wiley. Das NC wider-spricht dem Grad „Verwenden“, denn nicht jeder darf Materialien, die unter einer NC-Lizenz stehen, tatsächlich nutzen. Für dieses Heft würde es zu weit führen, genau dar-zulegen, warum NC einige ungewünschte – jedoch nicht offensichtliche – Nebeneffek-te mitzubringt. Für diejenigen unter Ihnen, die sich damit befassen wollen, empfehle ich eine Praxisbroschüre vom Juristen Dr. Paul Klimpel . Soviel sei verraten, NC schließt zum Beispiel Projekte wie die Wikimedia aus und zum Teil auch die Universi-täten von der Nutzung der Materialien aus. Der Lizenzbestandteil ND widerspricht den Stufen drei (Verarbeiten) und vier (Vermischen) von Wiley. Können Sie als Lehre-rinnen und Lehrer überhaupt Materialien gebrauchen, die Sie nicht für Ihre Lerngruppe anpassen können? Natürlich gibt es Ausnahmen und Situationen, in denen die Be-standteile NC oder ND notwendig bzw. sinnvoll sind und dann können Sie diese auch nutzen. Mein Tipp: Konzentrieren Sie sich auf die drei „echten“ OER-Lizenzen. So-wohl in der Nutzung als auch in der Weiterverarbeitung erspart dies Ihnen eine Menge Arbeit und vereinfacht die Nutzung von Open Educational Resources erheblich.
digiLL-Modul
Über den Universitätsverbund-digiLL stellen verschiedene Zentren für Lehrerbildung bzw. Schools of Education offene Lernmodule zur Verfügung. Zum Thema Open Educational Resources steht hier ein Modul zur Verfügung.